AK Zweiradcenter – Alfred Kallich

Dresden – Glacisstraße 5 – Inh. Hans Kallich

Einen festen Stammplatz im Ausstellungskalender der Dresdner Messegesellschaft hat die jährlich stattfindende „Sachsen Krad“. Motorradhändler und Biker geben sich hier ein Stelldichein. Unter den zahlreichen Fachhändlern war bisher auch immer Hans Kallich, der Chef des AK Zweiradcenters, eines alteingesessenen Familienbetriebes in der Dresdner Neustadt.

Großvater Alfred Kallich legte den Grundstein zur erfolgreichen Geschäfsgeschichte. In der Albertstraße 18 betrieb er seinen „Neustädter Fahrradhaus“. Hier handelte der Mechanikermeister mit Nähma-schinen und Fahrrädern. Die Geschäfte gingen gut, so dass der rührige Inhaber einen Zweitladen eröffnete. Großmutter Berta Kallich hatte das Haus Glacisstraße 5 gekauft. Es ist noch heute der Stammsitz. Nach diversen Umbauten der einstigen Korkfabrik, begann hier 1929 der Motorradverkauf. Bis 1945 war man Generalvertretung der Marken „ARDIE“, „ZÜNDAPP“ und „HERCULES“. Die Eröff-nung des zweiten Geschäftes hatte nicht nur einen positiven unternehmerischen Effekt, sondern si-cherte nach 1945 den Fortbestand des Familienbetriebes. Nach der Bombardierung Dresdens lag das Fahrradhaus in Schutt und Asche. Das Haus an der Glacisstraße hatte mit wenigen Blessuren überstanden. Sohn Rudolf, Fahrrad- und Motorradhandwerksmeister konnte das väterliche Geschäft weiterführen. Dennoch sollten mehr als vier Jahrzehnte vergehen, ehe wieder funkelnagelneue Motorräder aus dem Laden rollten. Fortan hatte die Familie nur noch im Werkstattbetrieb ihre Existenzgrundlage. In den ersten Nachkriegsjahren setzte der erfahrene Meister über den Krieg gerettete Motorräder wieder instand und reparierte die schweren „Molotows“ der russischen Besatzer. Bis 1955 war er auch noch „ZÜNDAPP“-Vertragspartner. Wenig später konnte Rudolf Kallich das MZ-Logo am Tor anbringen. Er war Vertragswerkstatt des bekannten Zschopauer Motorradherstellers geworden. Die begehrten Maschinen durfte nur der staatliche und genossenschaftliche Handel verkaufen. Den privaten Kfz-Handwerksbetrieben übertrug man Wartung und Instandsetzung. Neben der fachgerechten Arbeit an den Motorrädern, erwarb Rudolf Kallich seinen guten Ruf auch durch die Kurbelwelleninstandsetzung, die er als einziger in der DDR durchführte.

Der Motorrad-Reparatur-Alltag…

…hatte es auch dem dritten Kallich-Spross, Hans, angetan. Er trat in die Fußstapfen des Vaters. Er lernte von 1965 bis 1968 bei ihm und legte bei MZ-Hinkel in Dresden-Leubnitz die Gesellenprüfung ab. 1973 stellte er sich erfolgreich der Meisterprüfung. Als er am 1. Juli 1974 Chef im Hause Kallich wurde, blieb auch er reiner Dienstleister für seinen vorwiegenden Dresdner Kundenkreis. Das änderte sich erst 1990. Hans Kallich lotete die Angebote von drei großen japanischen Motorradherstellern aus, entschied sich schließlich für „Yamaha“ und bekam den Vertrag. Seit 1992 stehen auf der vergrößerten Verkaufsfläche als Zweitmarke britische „TRIUMPH“-Motorräder. Vater und Großvater Kallich würden staunen, was heute für tolle Motorräder in Reih´ und Glied im Verkaufsraum stehen und sich freuen, wie sich die ganze Familie engagiert. Da wäre zunächst Lebensgefährtin Cornelia Hänsel. Sie verkauft Zubehör für Motorräder einschließlich Bekleidung in der nahegelegen Filiale auf der Hoyerswerdaer Straße. Die Töchter Cathleen und Christina stehen dem Vater im Stammhaus zur Seite. Apropos Stammhaus, dessen Fassade wurde im Jahr 2000 aufwendig saniert und erhielt ihr ursprüngliches Aussehen zurück.

Das Zweiradcenter

… ist jedoch nicht nur die Lebensexistenz der Familie, er gibt auch vier Mechanikern Lohn und Brot. In der Werkstatt warten sie die Kräder. Von April bis Juni haben sie besonders viel zu tun, da starten die meisten Biker in die Saison.

Hans Kallich hält die Fäden des Geschäftes zusammen. Seit dem Jahr 2000 hat es eine eigene Internetseite auf der man auch online bestellen kann. „Das gehört heute einfach dazu“, sagt der Meister und beweist, dass er auf der Höhe der Zeit ist. Der Sprung in die Marktwirtschaft ist ihm optimal gelungen, so dass es um die Zukunft seines Familienunternehmens gut bestellt ist.

Bild 1: Das Firmenloge des Gründers. Es wird mittlerweile von der dritten Generation der erfolgreichen Händlerfamilie in Ehren gehalten und steht auf der Startseite ihres Internetauftrittes.

Bild 2: Auf der Alberstraße 18 begann die erfolgreiche Geschäftsgeschichte. Großvater Alfred Kallich, dessen Namen der Zweiradcenter heute noch trägt, eröffnete hier sein „Neustädter Fahrradhaus“. Als in der nahen Clacisstraße im Jahr 1929 eine Filiale hinzu kam, war das der Anfang des Motorradfachhandels.

entnommen aus: “Geschäfte mit Geschichte – traditionsreiche Einzelhandelsunternehmen in Ostsachsen”, Herausgeber: Handelsverband Sachsen e.V., 2003