Fliesen-Kießling

Dresden – Hamburger Straße 65 – Inh. Georg Kießling

Das Unternehmen Fliesen-Kießling an der Hamburger Straße in Dresden beging im Jahr 2000 sein 80. Firmenjubiläum. Gegründet am 1. April 1920 von Großvater Clemens Bruno Kießling, wird es heute in dritter Generation von Enkel Georg Kießling gemeinsam mit seiner Ehefrau Monika geführt. Dem modernen Geschäft mit seiner repräsentativen Verkaufsausstellung sieht man seine bewegte Geschichte nicht an.

Mit viel Fleiß, Fachwissen und unternehmerischem Geschick meisterte der Firmengründer Inflation und Wirtschaftskrise und führte die Firma erfolgreich durch die dreißiger Jahre. Fliesenverkauf und -verlegung bescherten dem Unternehmen eine gute Zeit. Die Liste der Reverenzobjekte ist sehr lang. Sie reicht vom Bahnhof Meißen über das Hotel „Chemnitzer Hof“ bis zum Flugplatz Dresden-Klotzsche, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Die Qualitätsspur von Kießlings Fliesenlegern zog sich durch ganz Sachsen. Bis zu 90 Mitarbeiter standen in Lohn und Brot. Die Erfolgsgeschichte wurde durch den 2. Weltkrieg jäh unterbrochen. Vater Bruno und die beiden Söhne Erhardt und Herbert wurden eingezogen. Mutter Dorothea führte das Geschäft allein durch die folgenden schweren Jahre. Nur der Ehemann und Sohn Erhardt kehrten wieder heim. Sie fanden ein zerstörtes Geschäftshaus vor. Erhardt, von Beruf Kaufmann, mußte sich beruflich neu orientieren. Beim Vater lernte er das Fliesenlegerhandwerk. 1953 erhielt er den Meisterbrief. Reparaturarbeiten, geringe Materialzuteilungen und bilanzierte Fliesen der Bauherren prägten den Alltag des Unternehmens in der DDR. Der Verstaatlichung entgingen die Kießlings mit Geschick. Sie splitteten die Firma in kluger Voraussicht in die Unternehmen Bruno Kießling und Erhardt Kießling, so dass die Mitarbeiterzahl nicht über zehn hinaus ging. Als Erhard Kießling 1985 in den verdienten Ruhestand ging, trat im Hause Kießling eine geschäftliche Pause ein. Sohn Georg und Schwiegertochter Monika, beide Bauingenieure, sahen damals ihre berufliche Perspektive nicht im Privatunternehmen der Eltern.

Erst der Wendeherbst 1989 stellte die Weichen in diese Richtung. In einer Art Crash-Kurs lernte Georg Kießling das ABC der Marktwirtschaft in einem befreundeten Fliesenlegerbetrieb im hessischen Bad Hersfeld. Mit der Empfehlung, sich selbständig zu machen, kehrte er zurück. Am 2. Januar 1991 gründete er sein Einmann-Unternehmen, knüpfte an die Familientradition und den guten Ruf von Fliesen-Kießling an. Unter der Maxime „Qualität ist mein Hobby“ vergrößerten Georg und Monika Kießling die Firma in den 90er Jahren, bauten einen kompetenten Mitarbeiterstamm auf. Das Ende des Baubooms rückte den Handel mit Fliesen in den Mittelpunkt. Auf attraktiv gestalteter Verkaufsfläche kann der anspruchsvolle Kunde aus einem hochwertigen Fliesensortiment auswählen.

Bild: Eine Geschäftskarte des Firmengründers aus den zwanziger Jahren. Das 80jährige Firmenjubiläum wurde im Jahr 2000 begangen.

entnommen aus: “Geschäfte mit Geschichte – traditionsreiche Einzelhandelsunternehmen in Ostsachsen”, Herausgeber: Handelsverband Sachsen e.V., 2003