Foto Rosenkranz

Dresden Laubegast, Neuberinstraße 1, Inh. Bernd Rosenkranz

Die ältesten Fotos in dieser Publikation stammen aus der Zeit um 1900. Mit großformatigen hölzernen Plattenkameras nahmen die Fotografen damals ihre Motive auf, zogen schwer beladen durch die Gegend und im Atelier hieß es: „Bitte recht freundlich.“ So ähnlich wird es auch Rudolph Rosenkranz erlebt haben, als er im Jahre 1906 in Mügeln, heute ein Ortsteil von Heidenau, seine Existenz gründete. Obwohl die Fotografie noch in den Kinderschuhen stecke, ging er mit handwerklichem Geschick und Ideenvielfalt ans Werk. Sein Meisterbrief, datiert vom 13. April 1914, läßt daran keinen Zweifel. Die Porträts, Gruppenbilder, Fotos von feierlichen Anlässen und Ortsmotive für Ansichtskarten bescherten ihm und Ehefrau Elisabeth zwar keine Reichtümer, aber ein solides Auskommen. Über die Jahre erarbeitete sich die „Fotografen-Dynastie-Rosenkranz“ einen guten Ruf in Heidenau und pflanzte ihn fort ins nahe Dresden.

Hier siedelte sich Rudolph Rosenkranz Anfang der 30er Jahre im Stadtteil Laubegast an. Seit 1933 ist das „Alte Herrenhaus“ an der Österreicher Straße das Domizil von „Foto Rosenkranz“ gewesen. Neben künstlerischer und handwerklicher Arbeit in Atelier und Labor, wurden nun auch erstmals Fotoarbeiten der Kundschaft erledigt, die ersten 4-Mark-Boxen von Agfa angeboten sowie fotografische Platten und Rollfilme verkauft. Man war zu einem Dienstleister in Sachen Fotografie geworden und hatte Pläne, eine Geschäftskette aufzubauen. Sohn Horst absolvierte deshalb eine kaufmännische Ausbildung. Der 2. Weltkrieg durchkreuzte dieses Vorhaben.

Geschäftsnachfolge und Generationswechsel erfolgten im Hause Rosenkranz immer nahtlos. Nach dem Tod von Rudolph Rosenkranz im Jahr 1959 führte Ehefrau Elisabeth den Familienbetrieb weiter. Dank 25jähriger Tätigkeit in der Branche, erhielt sie die Gewerbeerlaubnis. Als Sohn Horst 1972 die Nachfolge der Mutter antrat, konnte nach der gleichen Prozedur vorgegangen werden.

Mit Bernd Rosenkranz, dem Enkel des Geschäftsgründers, steht seit 1972 wieder ein Fotografenmeister hinter der Kamera und im Fachgeschäft. Er lernte von 1967 bis 1969 bei einem anderen Fotografen. Nach der Facharbeiterausbildung war er bis 1971 im Museum für Völkerkunde in Dresden beschäftigt. Hier erledigte er sämtliche Fotoarbeiten, vorrangig Sachfotografie für Publikationen und die Museumsausstattung. Danach, wie schon erwähnt, begann Bernd Rosenkranz im elterlichen Geschäft zu arbeiten. Zwei Jahre später absolvierte er erfolgreich die Meisterprüfung. Zu den bekannten Geschäftsfeldern waren mittlerweile Industriefotografie und Werbeaufnahmen hinzugekommen. Als der Vater 1987 in Rente ging, trat der Sohn die Nachfolge im Geschäft an. In der Branche stand schon damals der Name Rosenkranz für Qualität und Zuverlässigkeit. So war es eigentlich auch kein Zufall, als der junge Fotomeister im Jahr 1975 einen älteren Berufskollegen auf dessen Wunsch als Standesamtfotograf ab und zu vertreten durfte. Nach dessen Pensionierung wurde daraus ein lukrativer Dauerauftrag. Als nach der Wende damit Schluss war, ergriff Ehefrau Veronika die Initiative, bewarb sich neu, hatte Erfolg. Hochzeitsfotos vom Standesamt Blasewitz tragen nun schon viele Jahre den Stempel „Foto Rosenkranz“.

Mit Einzug der Marktwirtschaft änderten sich auch in der Fotobranche schlagartig die Möglichkeiten. Warenflut und Sortimentsbreite nahmen gigantische Ausmaße an. Das Ehepaar Rosenkranz behielt dennoch Übersicht und Bodenhaftung, investierte im Rahmen seiner Möglichkeiten in Technik und Ausstattung. Im kleinen schmucken Laden und dem Atelier im sanierten Herrenhaus können die Kunden heute Dienstleistungen „Rund ums Bild“ nutzen. Passbilder, Porträtaufnahmen, Bewerbungsfotos, Aufnahmen von Hochzeiten und Familienfeiern gehören ebenso dazu, wie die Annahme sämtlicher Fotoarbeiten und der Verkauf von Filmen, Fotoalben und Bilderrahmen sowie ein Grundsortiment Kleinbildkameras. „Sonderwünsche stellen ebenfalls kein Problem dar, die lösen wir kurzfristig per Bestellung“, sagt der Fotomeister. Über die Atelierausrüstung des Enkels würde Großvater Rudolph heute mächtig staunen und sich freuen, dass es bei „Foto Rosenkranz“ immer noch heißt. „Bitte recht freundlich.“ Am Abend des 15. August 2002 war es damit erst einmal vorbei. Das Elbehochwasser stand im Hof des Herrenhauses vor den Türen der kleinen Geschäfte. Tags darauf liefen die Läden voll. Technik und Ware hochgestellt, ließ sich das Händlerehepaar evakuieren. Am 18. August konnte Bernd Rosenkranz den Laden wieder betreten. Er sah nur Chaos und Verwüstung. 1,20 Meter stand das Wasser im Geschäft, Totalschaden die Folge. Viele fleißige Helfer packten mit an beim Großreinemachen. Den einzigen intakten Tisch stellte man vor die Ladentür, und es dauerte gar nicht lange, da standen vor ihm die ersten Kunden, die ihre Fotoarbeiten abgaben. Bernd Rosenkranz lobt die Hilfe vieler Laubegaster Geschäftsleute und seiner Berufskollegen. Letztere halfen mit Filmen, Batterien, Bestelltüten und Technik aus. Seit 23. September ist im Fachgeschäft wieder alles top, seit der ersten Oktoberwoche auch im Atelier. Nur der Hochwasserstrich neben der Tür erinnert noch an die Tage, als die Flut kam.

Bild: Meisterbrief von Rudolph Rosenkranz

entnommen aus: “Geschäfte mit Geschichte – traditionsreiche Einzelhandelsunternehmen in Ostsachsen”, Herausgeber: Handelsverband Sachsen e.V., 2003

kleiner Nachtrag: Im Jahr 2008 zog Foto Rosenkranz mit Ladengeschäft und Atelier auf die Neuberinstraße 1 / Ladeneingang Österreicher Straße.

www.foto-rosenkranz.de