Dresden – Bautzner Landstraße 11b – Inh. Steffen Wolf
Im einstigen Nobelstadtteil Bad Weißer Hirsch befindet sich Dresdens ältestes Fotofachgeschäft. Als es Herbert Wolf 1939 an der Bautzner Landstraße öffnete, war es bereits 15 Jahre an diesem Stand-ort etabliert. Lange konnte der Fotohändler nicht hinter dem Verkaufstisch stehen, denn er mußte Soldat werden und kam erst 1946 aus der Gefangenschaft zurück. Ehefrau Maria, von Beruf Fotolaborantin, leitete das Geschäft während dieser Zeit allein. Mit Fotoapparaten aus Dresdens Kamerafirmen wie zum Beispiel der Ihagee und den Kamera Werken Dresden-Niedersedlitz, die schon bald wieder produzierten, mit gebrauchter Fototechnik und nicht zuletzt durch das florierende Labor erholte sich das Geschäft nach dem Krieg. Das benachbarte Lahmann Sanatorium, umfunktioniert zum russischen Lazarett, bescherte zusätzliche Kundschaft und erstmals auch gebrauchte sowjetische Kameras.
Mit der Gründung der HO kam auf Foto Wolf ein Problem zu. Der staatlicher Mitbewerber eröffnete ein Fotogeschäft Wand an Wand zum alteingesessenen Fotofachhändler, erklärte aber gleichzeitig, das Geschäft wieder zu schließen, wenn Herbert Wolf einen Kommissionshandelsvertrag mit der HO abschließt. Keine andere Wahl, mußte er auf das „Angebot“ eingehen und wurde Kommissionshänd-ler. Der Handel war Kommissionsgeschäft, das Labor aber blieb ein rein privater Dienstleister. Abgesehen von der Knappheit der Fotochemikalien und des Papiers, florierte das Fotolabor.
Von den beiden Söhnen, trat Steffen Wolf in die Fußstapfen des Vaters. Er lernte im staatlichen Foto-Facheinzelhandel „Fachverkäufer für Foto, Kino, Optik“. Dort arbeitete er auch, machte berufsbegleitend den Abschluss als Verkaufsstellenleiter, absolvierte eine Feinmechaniker-Ausbildung im Pentacon Kamerawerk Dresden und war bis 1974 Abteilungsleiter in dessen Industrieladen Foto-Kino-Optik.
In diesen Jahren wurde auch im elterlichen Geschäft der Handel aktiviert. Praktica-Kameras von Pentacon, Meyer Markenoptik aus Görlitz sowie preiswerte Sucherkameras von Beyer, Pouva und Certo konnten angeboten werden. Auch russische Zenit Fotoapparate und tschechische 8 Milimeter-Schmalfilmkameras standen in den Regalen bei Foto Wolf.
1973 begann sich Steffen Wolf nebenbei in das elterliche Geschäft einzuarbeiten. Als er 1974 den Kommissionshandelsvertrag des Vaters übernommen hatte, erhielt er die Gewerbeerlaubnis, war der neue Chef im Hause Wolf in zweiter Generation. In den nun folgenden 15 Jahren entwickelte sich das Geschäftsergebnis beständig nach oben. Daran änderte sich auch nichts, als Steffen Wolf die Kapazität seines Labors wegen steuerlicher Daumenschrauben herunter fuhr.
Umsichtig startete der Fotohändler in die Marktwirtschaft. Mutig nutzte er die Chance für die Zukunft des Familienunternehmens. Der Kauf des Geschäftshauses und dessen Umbau, die Vergrößerung der Verkaufsfläche und des Sortimentes waren wichtige Stationen auf dem Weg dahin. Der Rasanz der Branche mit ihren vielfältigen Neuheiten in immer kürzeren Abständen, stellt sich der Chef mit seinen Mitarbeitern und der Familie durch ständige Weiterbildung. Kompetente Kundenberatung resultiert daraus und wird den guten Ruf von Foto Wolf auch in Zukunft erhalten und weiter ausbauen.
Bild: Der Winter 1939 bescherte dem einstigen Dresdner Nobelviertel Bad Weißer Hirsch nicht nur Schnee. Im gleichen Jahr übernahm Fotohändler Herbert Wolf das hier schon angesiedelte Fachgeschäft. Seit 1974 wird es von Sohn Steffen Wolf geführt. Sein Team bedient mit Sachkenntnis und Kompetenz.
entnommen aus: “Geschäfte mit Geschichte – traditionsreiche Einzelhandelsunternehmen in Ostsachsen”, Herausgeber: Handelsverband Sachsen e.V., 2003