Konditorei- Bäckerei W. Werner

Dresden-Plauen – Kaitzer Straße 95 – Inh. Wolfgang Werner

Plauen war noch eine selbständige Gemeinde, als am 3. Oktober 1893 Konditor- und Bäckermeister Otto Karl Bernhard Werner zum ersten Mal seinen Backofen anheizte. 28 Jahre führte der Meister gemeinsam mit Ehefrau Ida seine Konditorei und Bäckerei. Sohn Willy, geboren 1895, hatte ebenfalls das väterliche Handwerk gelernt und beide Meisterabschlüsse gemacht. 1921 übernahm er das Geschäft und gab ihm seinen Namen, der noch heute in goldenen Buchstaben über der Ladentür steht. In Ehefrau Gertrud hatte er eine fachkundige Partnerin. Sie stammte ebenfalls aus einer alteingesessenen Bäckereifamilie. Willy Werner beließ es nicht bei „Kleinen Brötchen“. Neben der handwerklichen Produktion für sein mittlerweile in Plauen und Umgebung bekanntes Geschäft, baute er als zweites unternehmerisches Standbein eine Dauerbackwarenabteilung auf. Während Brot, Brötchen, Kuchen und Torten in der Backstube im Keller unter fleißigen Händen entstanden, wurden die Dauer-backwaren, unter anderem leckere Lebkuchen, im Hofgebäude mit gleicher Akkuratesse hergestellt und über Wiederverkäufer bis 1945 zunächst als Saisongeschäft von August bis Weihnachten vertrieben.

Die Bombennacht vom 13. Februar 1945 überstand das gelbe Backsteingebäude an der Kaitzer Straße 95 glücklicherweise unbeschadet. „Mit viel Mühe konnten meine Eltern das Geschäft wieder zu einem stadtbekannten Unternehmen werden lassen. Besonders die Weihnachtsbäckerei mit ihrem speziellen Gebäck und der Stollenproduktion wurde zu einer tragenden Säule“ resümiert Wolfgang Werner, der heutige Chef, die Jahre nach dem schweren Neuanfang. Bald wurden die Dauerbackwaren mit den zwei großen W´s und dem Herz als Markenzeichen ganzjährig angeboten und fanden reißenden Absatz. Das fleißige Agieren der Eltern und ihr geschäftlicher Erfolg, fiel auf fruchtbaren Boden bei den Werner-Söhnen. Willy und später auch Wolfgang erlernten den Beruf des Vaters, wurden gestandene Meister ihres Fachs. 1972 mußten sie tatenlos mit ansehen, wie der Familienbetrieb ein jähes Ende fand. Mit 70 Mitarbeitern hatte Vater Willy keine Chance, der Verstaatlichungswelle zu entkommen. Diesen Schicksalsschlag verkraftete er nicht. Willy Werner jun. übernahm die Leitung des „VEB Dresdner Feinbackwaren“, der zwei Jahre später ins Backwarenkombinat eingegliedert wurde. Hier gab es nun nicht das kleinste Maß an Selbständigkeit mehr. Willy Werner gab 1976 frustriert auf und kündigte. Sein Bruder Wolfgang, der „Nachzügler“ der Familie, übernahm die Leitung des Betriebsteils Kaitzer Straße, der offiziell „Meisterbreich 11“ hieß.

„Die Kunden im Bäckerladen haben davon bis zur Wende fast nichts gemerkt, für viele waren wir immer der Bäcker Werner“, sagt Wolfgang Werner.

Nach der Wende holten sich Werners ihren Familienbesitz zurück. Über viele Jahre gut aufbewahrt, konnten sie den goldenen Schriftzug über ihrem Geschäft wieder anbringen. Ehefrau Ursula sowie die beiden Kinder Cornelia und Andreas waren in den VEB-Zeiten eigene berufliche Wege gegangen. Zur Freude von Wolfgang Werner gingen sie nun mit ihm und vielen treuen Mitarbeitern daran, die Tradition des einstigen Familienbetriebes wieder aufzunehmen. Heute kann man sagen, mit Erfolg. Außer dem Plauener Stammhaus gibt es Filialen am Nürnberger Ei und am Wasaplatz und ein schmuckes Café am F.-C- Weiskopf-Platz, wo man nach Herzenslust schlemmen kann, und das bekannte „Werner-Markengebäck“ gibt es zur Freude der Kunden in altbewährter Vielfalt.

Bild1: Historische Geschäftseinrichtung mit Kasse und Waage von 1927. 50 Jahre gingen über ihren Ladentisch Brot und Brötchen, Kuchen, Torten und feines Gebäck. 1977/78 mußte sie der Modernisierung weichen.

Bild2: Kundendienst um 1925: „Werners Brötchen Kurier“ startet seine Tour durch Plauen.

Bild3: Lecker im Geschmack und attraktiv im Geschenkkarton verpackt: Werners Baumkuchen.

entnommen aus: “Geschäfte mit Geschichte – traditionsreiche Einzelhandelsunternehmen in Ostsachsen”, Herausgeber: Handelsverband Sachsen e.V., 2003