Konsum Dresden eG – Dresden – Tharandter Straße 69
Als in Dresdens erster Konsumverkaufsstelle auf der Sophienstraße 3 nach Ladenschluss die Tageseinnahme gezählt wurde, waren 321 Mark in der Kasse – man schrieb den 1. September 1888, den Eröffnungstag. Ein knappes Vierteljahr zuvor, am 4. Juni, war im Tanzpalast „Odeum“ in der Carusstraße der Konsumverein „Vorwärts“ für Dresden und Umgebung gegründet und am 9. Juni ins Handelsregister eingetragen worden. Die Beweggründe der Gründerväter orientierten sich am Genossenschaftsgedanken, der die Solidargemeinschaft einschließt. Sie folgten der ursprünglichen Idee der Konsumvereine, dass sich auch arme Menschen Lebensmittel zu erschwinglichen Preisen und in guter Qualität kaufen können. „Vorwärts“ sah sich als ein genossenschaftlicher Verbund im Interesse der sozial schwachen Leute.
Der Konsumverein in Dresden entwickelte sich von Anbeginn mit großer Dynamik:
1889 hatte er bereits mehr als 1000 Mitglieder, verfügte 1893 über 13 Filialen, die vorwiegend Lebensmittel anboten. 1894 tätigte der Verein mit dem Kauf des Grundstücks Konkordienstraße sein erstes Immobiliengeschäft und gründete 1912 eine eigene Sparkasse. 1913, im 25. Jahr seines Bestehens, gab es 133 Verteilstellen, 1100 Mitarbeiter, 65.000 Mitglieder und 36 Grundstücke. Die Planungen der Genossenschaftler, das Filialnetz noch zu erweitern und eine eigene Fleisch- und Wurstfabrik zu bauen, stoppte der 1. Weltkrieg. Die Jahre danach, mit Inflation und Weltwirtschaftkrise, bedeuteten eine große Zäsur. 1923 stand „Vorwärts“ vor dem Ruin. Fast die halbe Belegschaft mußte entschädigungslos entlassen werden. Erst 1930 besserte sich die Situation und 1931 konnte die genossenschaftliche Fleischverarbeitung auf der Fabrikstraße in Betrieb gehen.
Diese Konsolidierungsphase hielt nicht lange an. Den Nationalsozialisten war der Konsumverein als „linke Organisation“ von Anfang an suspekt. Sie erzwangen seine Umwandlung in eine Verbrauchergenossenschaft GmbH. 1935 lösten sie diese jedoch auf und veräußerten die genossenschaftlichen Grundstücke und Ladengeschäfte an Privatpersonen und Einrichtungen. Die Fleischwarenfabrik ging an die Heeresleitung. 1942 wurde der Konsumverein aus dem Genossenschaftsregister gelöscht und das Vermögen der Genossenschaft entschädigungslos veräußert.
Im Sommer 1945 gab es einen Neuanfang. Aus den vier im Sommer ´45 gegründeten Dresdner Konsumgenossenschaften entstand im Juni 1947 durch einstimmigen Beschluss, die Konsumgenossenschaft Dresden. Ein Jahr später verfügte sie bereits wieder über 125 Läden für Lebensmittel, 22 Fleischverkausstellen, 3 Kaufhäuser und über einen Fuhrpark von 20 LKW. Die genossenschaftlichen Grundstücke mußten auf Druck der Regierung bis 1959 abgegeben werden, sie wurden „Volkseigentum“. Zu dieser Zeit hatte der DDR-Handelsalltag mit permanenter Warenknappheit und Kontingenten auch die Konsumgenossenschaft längst eingeholt, am privaten Status rüttelten die Behörden jedoch vergebens.
Aus eigenen Mitteln bzw. rückzahlungspflichtigen Krediten investierte der Konsum Dresden bis zur Wende 1989 über 90 Mio. Mark in 26 Neubauobjekte (Kaufhallen und Gaststätten). Der Branchenmix der 432 Verkaufsstellen reichte von Lebensmitteln über Uhren und Schmuck bis zu Möbeln.
Am 8. Dezember 1990 fusionierten die Konsumgenossenschaften Stadt Dresden und Kreis Dresden Land zur KONSUM DRESDEN eG. Eine kluge Entscheidung, wie sich heute herausstellt. 1991 wurde begonnen, das Vertriebsnetz nach marktwirtschaftlichen Strukturen aufzubauen. Unrentable Filialen hatten keine Chance. KONSUM konnte dem Konkurrenzdruck standhalten und hielt an seiner Tradition fest, sich dort zu etablieren, wo die Menschen zu Hause sind – in den Wohngebieten, Stadtteilzenten und Einkaufsstraßen. Eine Strategie, die heute genau so aufgeht, wie das 1999/2000 begonnene auf Frische ausgerichtete Vertriebskonzept beweist. Das genossenschafliche Eigentum konnte so gesichert und jedes Jahr an die Mitglieder eine Rückvergütung ausgezahlt werden.
Schlagzeilen machte der KONSUM DRESDEN im Jahr 2000 mit der Übernahme von 14 Kaiser´s-Märkten der Tengelmann-Gruppe und mit der Wiedereröffnung der Neustädter Markthalle im Novem-ber des gleichen Jahres. Zu den ebenfalls gelungenen Expansionsvorhaben gehören mittlerweile der KONSUM-Markt im Sachsenforum Gorbitz sowie der Markt in der Schillergalerie am Blasewitzer Schillerplatz. Höhepunkt des Jahres 2002 war die Eröffnung des Pfotenhauer Centers in Johannstadt am 1. Oktober 2002. Sie reihte sich ein in die Erfolgsgeschichte, die der KONSUM in DRESDEN seit der Wiedervereinigung schreibt und ganz im Sinne der „Vorwärts“-Gründerväter weiter verlaufen wird.
Bild: Die damalige Hauptbetriebsanlage des Konsumvereins „Vorwärts“ in der Dresdner Rosenstraße.
entnommen aus: “Geschäfte mit Geschichte – traditionsreiche Einzelhandelsunternehmen in Ostsachsen”, Herausgeber: Handelsverband Sachsen e.V., 2003


