Schirm – Dunger

Dresden Angelsteg 5 -Inh. Christina Seipt – Am Schillerplatz

Schirm DungerSie steht hinter dem Verkaufstisch, erledigt Reparaturaufträge in der Werkstatt und dekoriert das Schaufenster ihres Geschäftes. Christina Seipt, die Inhaberin von Schirm Dunger, beherrscht das alles meisterhaft. In dritter Generation setzt sie die Tradition des bekannten Familienunternehmens am Blasewitzer Schillerplatz fort.

Großvater Kurt Dunger startete 1924 zunächst mit einem Stubengeschäft in die Selbständigkeit. Spä-ter bezog er einen kleinen Laden in der Häuserzeile gegenüber dem heutigen Standort. Kurt Dunger reparierte Schirme und fertigte neue auf Bestellung seiner Kunden an. Unterstützt wurde er von Ehe-frau Margarethe. Die Zeiten waren schwer und so verkaufte sie zusätzlich Lausitzer Leinen, um etwas mehr Geld in die Ladenkasse zu bekommen. Seit 1932 ist Kurt Dunger Schirmmachermeister. Sein Meisterbrief hängt auch heute noch in der kleinen Werkstatt. Vier Jahre später zog er mit seinem Ge-schäft Visavis, vergrößerte sich dadurch etwas und machte Schirm Dunger zu einer guten Adresse. Hier hatte der Meister erstmals auch Angestellte, zum Beispiel Mechaniker und Näherinnen. Die Ge-stelle samt Stock, lieferten darauf spezialisierte Firmen. Hier hatten einstige Drechsler und Stockma-cher einen neuen Broterwerb gefunden. Das Schirmbeziehen und eventuelle Reparaturen erfolgte durch Dungers geschickte Hände, die mechanische und textile Fertigkeiten beherrschten. Später er-hielt man von Firmen Lizenzen und konfektionierte dann deren Modelle.

Sohn Heinz erlernte einen kaufmännischen Beruf. Nach dem 2. Weltkrieg, zurück aus der Gefangen-schaft, begann er in den Jahren 1947/48 beim Vater im Geschäft mitzuarbeiten, setzte sich zum Er-lernen des Schimmacherhandwerks noch einmal auf die Schulbank und absolvierte 1956 erfolgreich die Meisterausbildung. Als im gleichen Jahr Gründer Kurt Dunger starb, trat der junge Meister die Geschäftsnachfolge des Vaters an. Auch sein geschäftlicher Schwerpunkt blieb viele Jahre noch die Reparatur. Der Meister, Gesellen und Lehrlinge hatten stets genug mit Reparaturen zu tun. Christina Seipt erinnert sich: „Wir hatten bis zu 10 Angestellte und dennoch mußten unsere Kunden bis zu ei-nem viertel Jahr warten. Es wurden Annahmescheine ausgegeben, wenn sie ihren Schirm bringen konnten.“ Der Grund für diesen Stau bei Reparaturen und Neubezügen ist schnell genannt. In der DDR gab es nur eine Schirmfabrik. Der Mangel war dadurch vorprogrammiert und so wurde repariert, repariert, repariert… Andererseits wachten die Behörden mit Argusaugen, dass das private Handwerk die magische Zahl von zehn Beschäftigten nicht überschritt und Dienstleistung und Handel strikt ge-trennt blieben. Für Dungers bedeutete das konkret: Meister Heinz hatte seinen Werkstattbetrieb mit der maximalen personellen Größe, Ehefrau Ursula führte als Einzelhändlerin das Geschäft. Sie schloss auch einen Kommissionsvertrag ab, erhielt so eine bescheidene Anzahl Schirme vom Groß-handel.

Hautnah im Laden der Eltern aufgewachsen und Interesse an der Schirmherstellung gefunden, lernte Tochter Christina den Beruf des Vaters. 1966 begann ihre zweieinhalbjährige Facharbeiterausbildung und 1972 hatte sie ihren Meisterbrief in der Tasche. Viele Jahre arbeitete die Tochter an der Seite des Vaters. 1987 erfolgte der Generationswechsel, Christina Seipt war nun die neue Inhaberin von Schirm Dunger.

1989 waren die Tage der Mangelwirtschaft gezählt, und 1990 kamen die Vertreter, wie zu Zeiten von Großvater Kurt, wieder ins Geschäft, boten Modelle in ungeahnter Vielfalt an. Diese der Kundschaft übersichtlich zu präsentieren, machte einen Umbau erforderlich. Im Zuge dessen wurde 1992 die Werkstatt verkleinert und das Ladenlokal auf 40 qm vergrößert. Taschenschirme, Langschirme, Stö-cke, Hüte und Mützen für Damen und Herren, Lederwaren und Regenbekleidung gehören heute zum Sortiment. Den altbewährten Reparaturservice bietet Schirm Dunger natürlich auch noch an. Stamm-kunden nutzen ihn besonders gern und auch von den Dresdner Theatern gibt es Aufträge, Schirme als passendes Requisit zur Bühnengarderobe kurzfristig herzustellen.

Zur Freude von Christina Seipt, begann die vierte Dunger-Generation im Laden ihre Kreise zu ziehen. Tochter Beate hatte ebenfalls Schirmmacherin gelernt. Bis 2001 arbeitete sie an der Seite der Mutter im Geschäft. Das veränderte Kaufverhalten, Resultat der schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedin-gungen, ließen eine Fortsetzung nicht zu. Die Tochter blieb zwar dem Handel treu, aber nicht an der Elbe, sondern am Rhein. Und so bedient Christina Seipt die Kundschaft ihres Fachgeschäftes wieder allein, natürlich weiter mit hoher Fachkompetenz, wie es schon immer bei Schirm Dunger üblich war.

zum Bild:

Die erste und zweite Generation von Schirm-Dunger Anfang der 1950er Jahre. Von rechts: Gründer Kurt Dunger, Ehefrau Margarethe und Sohn Heinz. Das Regal im Hintergrund ist mit reparierten und neu bezogenen Schirmen voll belegt. Erst ab 1990 wurde der Handel mit Neuware Geschäftsschwer-punkt.

Schirm-Dunger Inh. Christina Seipt

Angelsteg 5 – 01309 Dresden
Telefon: 0351 – 3108565