Schuhhaus Süss

Dresden – Tolkewitzer Straße + Österreicher Straße in Laubegast

Als Otto Süss 1951 in Dresden-Loschwitz eine Schuhmacherwerkstatt gründete und im darauffolgenden Jahr seine Meisterprüfung ablegte, besaß er schon viele Jahre schuhmacherische Berufserfahrung und den entsprechenden Meisterbrief. Krieg und Willkür waren die Gründe für den zweiten Berufsstart. Der Vertreibung aus der alten Heimat in Posen folgte die Weigerung der ostdeutschen Behörden, die Meisterprüfung anzuerkennen. So mußte Otto Süss mit Ehefrau Eugenie und den Kindern Marga, Waldemar und Günther noch einmal am Punkt Null anfangen.

Neubeginn war in der Schuh-Werkstatt an der Pillnitzer Landstraße.

Hier stellte der Meister individuelles Maßschuhwerk her und reparierte Schuhe. Bald dachte Otto Süss an eine Geschäftserweiterung. Im Kellergeschoß eines Hauses auf der anderen Elbseite in Blasewitz wurde sie möglich.

1964 starb der Seniorchef. Ein Jahr lang führte die Ehefrau die Geschäfte allein weiter, danach übernahm ihr 23jähriger Sohn Günther, seit 1962 Meister, den Familienbetrieb. Als in den 60er Jahren begonnen wurde, mittels Produktionsgenossenschaften des Schuhmacherhandwerkes die Branche zu reglementieren und zum Beitritt zu nötigten, blieb Günther Süss privat. Als Folge dessen, war ihm nur noch die individuelle Herstellung und Kleinserienfertigung erlaubt. Reparaturen, durfte er nicht mehr ausführen.

Bruder Waldemar, Orthopädie-Schuhmachermeister,

verstärkte ab den 70er Jahren das Familienunternehmen. Der Sieben-Mann-Betrieb produzierte und verkaufte erfolgreich. Mit Maß- und orthopädischen Schuhen und Schäften vergrößerte man die Produktpalette in der zu klein gewordenen Werkstatt. 1970 erfolgte der Umzug nach Dresden-Löbtau in eine größere Produktionsstätte. Ab diesem Zeitpunkt dominierte bis 1990 die Kleinserienherstellung von Herrenhalbschuhen.

Danach trennten sich die Brüder geschäftlich. Der Familenbetrieb stand am Scheideweg. Günther Süss entwickelte ein neues Marketingkonzept, um die Tradition fortzuführen. Abgesegnet von der Bank, mit Verträgen renommierter Lieferanten und großem persönlichen Einsatz eröffnete die Familie in den 90er Jahren zwei Schuhhäuser in Dresden. Deren Lage, im Westen an der Pennricher Straße und im Osten im Stadtteilzentrum Blasewitz am Schillerplatz, ist gut gewählt, den Sprung vom Handwerk zum Handel zu schaffen.

Bild: Otto Süss stellte Maßschuhwerk her und reparierte Schuhe. Sohn Günther durfte später als privater Schuhmacher nicht mehr reparieren. Bis 1990 fertigte er mit Bruder Waldemar Herrenschuhe in Kleinserien. Heute bestimmt das Handelsgeschäft den Alltag.

entnommen aus: “Geschäfte mit Geschichte – traditionsreiche Einzelhandelsunternehmen in Ostsachsen”, Herausgeber: Handelsverband Sachsen e.V., 2003

Stammgeschäft:

Tolkewitzer Str.8, 01277 Dresden

Filiale:

Österreicher Str.36, 01279 Dresden – Laubegast

www.schuhhaus-suess.de